Hinweis

Ihre Browserversion wird leider nicht mehr unterstüzt. Dies kann dazu führen, dass Webseiten nicht mehr fehlerfrei dargestellt werden und stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Wir empfehlen Ihnen, Ihren Browser zu aktualisieren oder einen der folgenden Browser zu verwenden:

Eine Sache des Gewissens

Wort zum Wochenende

„Nie hätte ich daran gedacht, einer Sache zuzustimmen, die gegen mein Gewissen gewesen wäre.“ Dieser Satz scheint von einem ziemlich konsequenten Menschen zu stammen. Es ist ein Zitat des Heiligen Thomas Morus, dessen Gedenktag die katholische Kirche im Juni feiert und der als Patron der Regierenden und Politiker:innen gilt. Er lebte und wirkte im England des 15. und 16. Jahrhunderts, war Rechtswissenschaftler und später ein enger Vertrauter von König Heinrich VIII. (bekannt wegen seiner zahlreichen Ehefrauen). Thomas Morus war ein fortschrittlicher Denker und für seine Zeit ein echter Feminist, denn er ließ seine Töchter eine umfangreiche Bildung genießen. Er lebte seinen Glauben und liebte seine katholische Kirche. Deshalb weigerte er sich später auch, Heinrich VIII. als neues Oberhaupt der Kirche von England anzuerkennen. Das war sein Todesurteil. Jedoch nicht für seinen Humor: Noch kurz vor seiner Enthauptung bat er den Henker, beim Zuschlagen mit dem Beil auf seinen Bart zu achten, damit dieser nicht beschädigt würde, da sein Bart ja keinen Hochverrat begangen habe.

Auch wenn er durch seine Biografie teils als umstritten gilt, kann Thomas Morus für uns heute ein besonders aktueller Heiliger sein. Er war nämlich kein Ordensmann und kein Priester. Er war „nur“ Laie. Gerade deshalb hat er uns heute viel zu sagen. Mitten im Getümmel von Familie und Politik, Wirtschaft und Wissenschaft nahm er sein Christsein ernst und versuchte es im Alltag auf vorbildliche Weise zu leben. Thomas Morus ist ein geradezu moderner Heiliger, weil er nicht tat, was man halt so tut und was alle tun, sondern weil er SEINEN Weg ging. Er blieb sich selber treu und gehorchte Gott mehr als den Menschen, und seien es die höchsten Autoritäten, wie in seinem Fall der König von England. Er war zum äußersten bereit aus Gehorsam gegenüber dem eigenen Gewissen und damit gegenüber Gott. Gerade in unserer Zeit, in der der einzelne Mensch viel Freiheit hat, kann die Art und Weise und die Haltung, mit der Thomas Morus für seine Überzeugungen eingestanden ist, vorbildlich sein: Auf das eigene Gewissen hören, kritisches Mitdenken, verantwortliches Handeln, sich selbst treu bleiben und auf Gott vertrauen. 

Thomas Morus verband überragende Geistesschärfe mit tiefer Frömmigkeit und einem unerschütterlichen Humor, was er unter anderem in seinen Gebeten zum Ausdruck brachte:
„Gott, schenke mir eine gute Verdauung 
und auch etwas zum Verdauen.
Schenke mir Gesundheit des Leibes,
mit dem nötigen Sinn dafür, ihn möglichst gut zu erhalten.
Schenke mir eine Seele, der die Langeweile fremd ist,
die kein Murren kennt und kein Seufzen und Klagen.
Und lass nicht zu, dass ich mir allzuviel Sorgen mache
um dieses sich breitmachende Etwas, das sich ‚Ich‘ nennt.
Herr, schenke mir Sinn für Humor.
Gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen,
damit ich ein wenig Glück kenne im Leben
und anderen davon mitteile. Amen.“


Christina Lömmer
Gemeindereferentin im Pastoralen Raum Gemünden

nach oben