Bedeutende Ereignisse liegen hinter uns: Vor zwei Wochen ist der 104. Deutsche Katholikentag in Würzburg zu Ende gegangen. Das Motto „HAB MUT, STEH AUF!“ hat dieses große, bunte Treffen zu einem gleichermaßen geistlichen wie politischen Highlight in turbulenten Zeiten gemacht. Und am letzten Sonntag war Pfingsten. Ebenfalls ein Mutmach-Fest für Christinnen und Christen. Gottes Geistkraft als lebendige Energie und Anschub in turbulenten Zeiten.
Waren Sie auch in Würzburg und haben die besondere Atmosphäre schnuppern können? Der Katholikentag bleibt mir in Erinnerung mit interessanten Erlebnissen und Erfahrungen, zum Beispiel:
» Auf der Fahrt im Zug ergeben sich bereits lebhafte Kontakte. Erkennbar an den gelb-blauen Schals weiß jeder sofort: Aha, auch Besucherin oder Besucher? Munter werden ganz unkompliziert Tipps ausgetauscht, Fragen beantwortet oder Informationen geteilt.
» Am Mittwochabend zur Eröffnung präsentieren sich die unterfränkischen Regionen an neun Stationen in der Stadt. Erstaunlich, wie viele begeisterte Menschen sich vor Ort und hier engagieren.
» Beim Frauengottesdienst im überfüllten Dom gibt es zwischen den Teilnehmerinnen ein lebhaftes Gespräch über die Bibelstelle der „hartnäckigen Witwe gegen den ungerechten Richter“ (Lk 18,2-8). Unverhofft treffe ich dort zwei frühere Studienkolleginnen. Erstaunlich: immer noch liegen wir auf einer Wellenlänge. Danach reihen wir uns ein in die „Menschenkette für Gleichberechtigung“ zwischen Dom und Augustinerkirche.
» Vor großen Podien und Diskussionen heißt es „Schlangestehen“ vor dem Einlass. Erstaunlich: Spannende Gespräche machen die Wartezeit kurzweilig. Oft ergeben sich verblüffende Verbindungen zwischen vorher fremden Menschen.
» Auf der Kirchenmeile am Main präsentiert sich in weißen Zelten vielfältig buntes katholisches, ökumenisches, gesellschaftliches Leben. Erstaunlich die Bandbreite, „was alles sein darf…“ wie es jemand ausgedrückt hat. Zum Beispiel erklärt mir am Stand von „Maria 1.0“ ein junger Mann, dass Frauen keinesfalls Priesterin werden könnten, denn Jesus habe ja auch nur Männer zu Aposteln geweiht. „Das stimmt so nicht!“ erwidere ich. „Dann stünde ich nicht mehr auf dem Boden der katholischen Kirche…“ Wir können uns gegenseitig nicht von unseren Argumenten überzeugen. Aber ich habe diskutiert und bin nicht vorbeigelaufen.
» In den zahlreichen Foren erlebe ich Raum für kontroverse und doch respektvolle Debatten zwischen unterschiedlichsten Meinungen und Akteur*innen. Erstaunlich: Kirche kann hier Vorbild sein für die sonst oft so aufgeheizten und polarisierten Diskurse in unserem Land.
Die Fortsetzung: An diesem Sonntag feiern wir das Dreifaltigkeitsfest. Gott, Jesus und die Hl. Geistkraft ermutigen uns dazu, immer wieder in den Austausch miteinander zu treten. Auf Augenhöhe, in gegenseitigem Respekt, für die Werte, die uns wichtig sind.
Im Lied zum Katholikentag heißt es: „Die Welt braucht deine Arme, deine Hände und dein Herz.“ Also: Mutig aufstehen und weitergehen. Gehen Sie mit?
Edith Fecher
Pastoralreferentin im Pastoralen Raum Gemünden


