Sie möchten am Freitagabend den Beginn des wohlverdienten Wochenendes mit Ausgehen feiern. Ein Tisch im Lieblingsrestaurant ist reserviert, draußen im Freien an einem schönen Plätzchen. Schon am Morgen stellt sich Vorfreude ein: nur diesen Arbeitstag noch durchstehen. Dann endlich mit vertrauten Freunden ratschen und das gute Essen genießen. Doch als Sie dann zum Abendessen aus dem Haus gehen wollen, finden Sie den Schlüssel nicht. „Vor ein paar Stunden kam ich damit doch noch ins Haus, wo kann er nur sein?“ Sie schauen alle Jacken- und Hosentaschen durch: nichts… Suchen empfinden wir meistens als lästig, nur Ostereiersuchen macht vielen Kindern Spaß. Auch am PC suchen wir nach Dateien und wissen nicht mehr, wo wir sie abgelegt haben.
Jesus hat von einer Frau erzählt, die lange nach einem verlorenen Silber-Groschen gesucht hat. Damals gab es noch kein Bankkonto. Man bewahrte sein Geld zu Hause auf. Dieser Frau passierte es, dass sie von ihren zehn Silbergroschen einen verlorenen hatte. Da zündete sie sich ein Licht an, kehrte das ganze Haus und suchte in allen Ecken, bis sie ihn gefunden hatte. Das war aber nicht alles, sie teilte ihre Freude über den wiedergefundenen Groschen mit Ihrer Nachbarin.
Jesus lobte diese Frau für ihren Fleiß und ihre Freude. Wir neigen eher zum Stöhnen über das Suchen. Die Freude über Gefundenes behalten wir dann meist für uns. Aber Menschen sind nun mal nicht perfekt. Trotz aller Ordnungstipps und Ordnungssysteme sind wir nicht immer konzentriert, wenn wir nach Hause kommen oder unsere Dateien abspeichern. Daher gibt Jesus der Frau auch keine Ratschläge, wie sie es besser machen kann, sondern lobt ihr Verhalten. Ja, es dient ihm sogar zum Vergleich mit der Freude der Engel, wenn Menschen anfangen, an Gott zu glauben.
Am Montag machte ich mit einer Schulklasse eine Exkursion zur Wanderausstellung: „Die Opfer der Aktion T4 aus Bayern“, die im Hauptverwaltungsgebäude des BKH Lohr noch bis Ende Juni gezeigt wird. Es ging niemand verloren, und die Schülerinnen und Schüler waren auch mit Interesse bei der Sache. Eher nebenbei fiel mein Blick auf eine kleine Tafel mit Stellengesuchen: „Wir suchen eine/einen Mitarbeiter/in“ stand da ungefähr achtmal.
Viele Menschen wünschen es sich, in irgendeiner Weise gefragt oder gesucht zu werden. Manche bewerben sich auch einfach zwischendurch mal, um zu testen, ob sie auch auf einer anderen Stelle gefragt sind. Wussten Sie, wie sehr Gott sie sucht? Bei ihm kommt Ihre Sucht nach Anerkennung zur Ruhe. Auch Sucht hat mit suchen zu tun. Der Spruch für diese Woche heißt: „Der Menschensohn (Jesus) ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ Und der Kirchenvater Augustin hat ausgedrückt, was wir als Verlorene empfinden: „Unser Herz ist unruhig, bis es Ruhe findet in Dir, o Herr.“ Laden Sie Jesus im Gebet zu sich ein und bitten Sie ihn in aller Sucherei immer wieder, Ihnen Ruhe und Frieden zu schenken.
Christina Roth
Prädikantin an der Evang. Auferstehungskirche Lohr und Schulseelsorgerin am Franz Ludwig von Erthal Gymnasium Lohr

