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Wir sind alle gleich

Wort zum Wochenende

Sind Sie Fußballfan? Also, ich bin ein Turniergucker- ich sehe mir gerne internationale Fußballturniere an- und habe dann zu den Spielen der deutschen Nationalmannschaft auch passend mein Deutschlandtrikot an. Dieses Jahr ist es mal wieder soweit- wir sind gerade mittendrin, in der Fußballweltmeisterschaft- im amerikanischen XXL-Format. So viele Fußballspiele wie nie zuvor, zu denen man mit seiner Mannschaft jubeln, trauern und mitfiebern kann. Und die meisten Fans lassen es sich nicht nehmen, dabei im jeweiligen Trikot ihrer Mannschaft zu erscheinen- das gibt das passende Zusammengehörigkeitsgefühl. Denn hier sind alle gleich- Vorstandssprecher, Fließbandarbeiter, Jobsuchender- für einen Moment gibt es keine gesellschaftlichen Unterschiede, stehen alle gemeinsam hinter ihrer Mannschaft und liegen sich beim lang ersehnten Tor jubelnd in den Armen. Alle gleich- weil sie eines eint: der Glaube an die Mannschaft. Und das ist nach außen sichtbar- spätestens durch das gleiche Trikot, das alle anhaben.

Passend zur Weltmeisterschaft ist in letzter Zeit immer mal wieder davon die Rede, was Glaube und Fußball miteinander zu tun haben. Und vielleicht findet sich eine Antwort in dem, was der Apostel Paulus in einem Brief an eine christliche Gemeinde schreibt: Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen.
Durch die Taufe haben Christen sozusagen das Trikot mit dem Namenszug „Jesus Christus“ übergezogen. Und das macht sie alle gleich. Egal, woher sie kommen, egal ob Mann, Frau, Nationalität oder gesellschaftlicher Status- wer getauft ist, gehört zu Christus. Aber die Taufe ist kein Gleichmacher. Auch wenn nach außen hin durch die Taufe alle gleichgestellt sind, bleiben doch im inneren alle sie selbst.
Das ist wie mit einem Fußballtrikot: wir ziehen es über und gehören damit alle zu einer Fan- Gemeinschaft. Aber wir jubeln, trauern oder feiern alle ganz individuell.
Genauso ist es, wenn ich mich zu Gott gehörig fühle: er nimmt jede und jeden einzelnen als Individuum, als sein Kind wahr, das er liebt und für das er da sein möchte.

Beim ersten Spiel der deutschen Mannschaft gegen Curaçao ist mir eine Szene in Erinnerung geblieben, die im Anschluss auch durch die Medien ging: einige Spieler beider Mannschaften versammelten sich nach Ende des Spiels am Mittelkreis und- beteten. Ein Signal ganz besonderer Zusammengehörigkeit- über Länder und Fußballgegner hinweg.

Menschen, die der Glaube eint, haben ihre Unterschiede überwunden und können gemeinsam etwas bewegen. Das gilt im Fußball ebenso wie im Glauben. Und das ist gerade in diesen Zeiten der Unsicherheit, der Angst und der immer drückenderen Hoffnungslosigkeit ein schönes, ein starkes Zeichen. Hoffen wir, dass wir in diesem Turnier noch viele solcher hoffnungsvollen und gemeinsamen Momente erleben dürfen.

Eine gute Zeit!

Arved Meyer
Evangelische Kirchengemeinde Burgsinn

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