Unsere menschliche Lebenszeit ist endlich. Auch wenn wir persönlich nicht wissen, wie lange wir noch auf dieser Erde leben werden, so wissen wir doch, dass unsere Zeit begrenzt ist. Alles hat seine Zeit. „Geboren werden und sterben hat seine Zeit“ so drückt es im Alten Testament der Prediger Salomo in seiner berühmten Predigt aus. „Steine wegwerfen hat seine Zeit. Steine sammeln hat seine Zeit“. Alles hat seine Zeit. Und am Schluss fügt der Prediger hinzu: „Alles hat Gott schön gemacht zu seiner Zeit und den Menschen hat er Ewigkeit ins Herz gelegt“. Bei aller Gewissheit unserer Vergänglichkeit ist uns nach dem biblischen Zeugnis Ewigkeit in unser Herz gelegt. Etwas, was wir nicht selber machen können, ein Geschenk Gottes. Und etwas, das uns Menschen von jeglicher Art künstlicher Intelligenz unterscheidet. Die Zusage der „Ewigkeit in unserem Herzen“ bezieht sich nicht auf unsere Intelligenz oder unseren Wohlstand. Es ist eine Aussage, die aufgreift, dass jeder Mensch zum Ebenbild Gottes geschaffen ist. Das lässt sich nicht beweisen, aber wenn wir es glauben, verändert es unsere Sicht auf uns selbst und auf unsere Mitmenschen. In jeden Menschen ist etwas unendlich Kostbares von Gott hineingelegt worden. Etwas, das die Vergänglichkeit und den Tod überdauert. Das ist die große Hoffnung von uns Christen, die im Alten Testament grundgelegt ist und durch die Botschaft Jesu und seinen Tod und seine Auferstehung bekräftigt wurde. In biblischer Sprache wird das auch ausgedrückt in dem Gedanken, dass unsere persönlichen Namen, die unsere ureigene Existenz repräsentieren, bei Gott bekannt sind. Wert und Würde eines jeden Menschen gelten unabhängig vom Alter, der geschlechtlichen Orientierung und des Herkunftslandes. Dieser Gedanke findet sich auch im Artikel eins unseres Grundgesetzes wieder: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Gott sei Dank leben wir in einem Land, in dem dies der oberste Grundsatz für alles staatliche Handeln ist. Tragen auch wir durch unser Verhalten einen Beitrag dazu bei, dass die Würde unserer Mitmenschen von allen geachtet wird.
Wer sich mit Fragen der Würde und der Perspektiven im Alter auseinandersetzen will ist zu öffentlichen Vorträgen im Kloster Triefenstein eingeladen. Im Vorfeld des Tages des offenen Denkmals referiert Dr. Oliver Dodt, Psychiater und Psychotherapeut, der im Würdezentrum in Frankfurt arbeitet (www.wuerdezentrum.de), zu Fragen des würdevollen Altwerdens. Termine und Themen finden Sie auf der Homepage www.kloster-triefenstein.de
Bruder Christian Hauter
Pfarrer aus dem Kloster Triefenstein

