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Corona, Hoffnung und Advent

Die Adventszeit beginnt. Damit fängt auch ein neues Kirchenjahr an. Wie sehr sehnen wir uns nach einem neuen Anfang! Wie sehr möchten wir dieses schwierige Jahr mit seinen völlig neuartigen Herausforderungen und Ängsten hinter uns lassen! Wie sehr wünschen wir uns, Hoffnung zu schöpfen und in einen „normalen“ Umgang miteinander zurückzukehren! Doch auch wenn wir mit einem neuen Kirchenjahr eine neue Seite aufschlagen (und einen Monat später eine neue Jahreszahl schreiben werden), ist uns bewusst, dass wir dieses Krisenjahr so nicht einfach ablegen können.

Ende März las ich folgenden Witz: „Lieber Gott, kannst du bitte das Jahr 2020 noch einmal installieren? Es hat leider ein Virus.“ Damals konnte ich noch darüber lachen. Heute finde ich ihn nicht mehr witzig, so wichtig es gewiss ist, dass wir unseren Humor nicht verlieren. Mindestens genauso wichtig ist jedoch die Frage, woher wir tatsächlich unsere Hoffnung schöpfen und nähren. Der Advent ist für Christen eine Zeit der Hoffnung und Erwartung. Diese Hoffnung macht sich fest am Kommen Gottes in diese Welt in der Person Jesus Christus, dem ewigen Gottessohn. In der Geburt Jesu gingen die alten Verheißungen vom Kommen des Gesalbten Gottes, des Christus, in Erfüllung. Die Erwartungen, dass in ihm Gottes Hilfe zu finden und zu erfahren sei, erfüllten sich. Freilich nicht so, dass die ganze Welt wieder in ein Paradies ohne Kriege und Krankheiten verwandelt wurde, aber doch so, dass dem, der an diesen Christus glaubt, ein Licht der Hoffnung, des Trostes und der Nähe Gottes ins Herz gepflanzt wird. Ein Licht, das durchhält – auch in den dunkelsten Zeiten.

Zurzeit richten sich – verständlicherweise – immense Hoffnungen auf Impfstoffe gegen das Corona-Virus. Diese Hoffnung hat eine quasi-religiöse Dimension. Das zeigen Sprache, Haltung und Gestik der Menschen, und auf der ganz materiellen Ebene spiegelt sich das etwa in den in die Höhe schnellenden Aktienkursen. Hilfe, Besserung und Rückkehr der Freiheit werden von Impfstoffen erwartet. Aber ob sie das wirklich geben können?

Nun kann man einwenden, dass der Glaube nicht jedermanns Ding ist und somit religiöse Hoffnungen für eine gesamtgesellschaftliche Krise schwerlich fruchtbar gemacht werden können. Demgegenüber scheint die Gesundheit etwas zu sein, das alle Menschen verbindet. Aber wenn man genauer hinsieht, stimmt das so nicht: Manche haben in egoistischer Ausprägung nur ihre eigene Gesundheit im Blick. Hinsichtlich der Frage, was gesundheitsgefährdend ist und was nicht, sehe ich geradezu eine Spaltung in unserer Gesellschaft. Und dass Gesundheit nicht nur körperliche Unversehrtheit bedeutet, muss auch immer wieder erinnert werden. Auch Gesundheit und Krankheit sind Themen, die zutiefst religiöse Dimensionen haben. Unser Leben – eine Gabe des Schöpfers. Unsere Gesundheit – ein Geschenk Gottes. Freie Entfaltung des Lebens – ein kostbarer Segen. Frieden der Seele – eine unverdiente Gnade. Dass wir im Advent aufsehen dürfen zu dem, der zu uns kommt als „Gerechter und Helfer“, nährt unsere Hoffnung auch mitten in der Corona-Krise.

Till Roth, Evangelischer Dekan, Lohr