“Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm.
Denn Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich.
Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des HERRN, sodass auch viele Wasser die Liebe
nicht auslöschen und Ströme sie nicht ertränken können.”
Worte aus dem Hohelied, die klingen wie ein Liebesvers – und doch weit darüber hinausreichen. Zum Valentinstag, an dem Herzen, Blumen und rote Karten Hochkonjunktur haben, erinnert dieser Bibelvers daran, dass Liebe mehr ist als ein Gefühl für schöne Momente. Liebe will bleiben. Sie will bewahren. Sie will versiegeln.
Ein Siegel steht für Zugehörigkeit und Schutz. Was versiegelt ist, gehört untrennbar zusammen, ist nur füreinander da. Wer jemanden „auf sein Herz legt“, sagt: Du bist Teil meines Innersten. Du darfst mich prägen, mich verändern, mich begleiten – in Freude wie in Dunkelheit.
Schon immer hat mich dieser Vers fasziniert, weswegen mein Mann und ich ihn auch zu unserem Trauspruch gemacht haben, weil er genau das ausdrückt: Ich gebe dir nicht nur meine Hand, sondern mein Herz. Und dieses Herz soll bewahrt sein, nicht beliebig sein, nicht austauschbar. Doch die Kraft dieser Worte reicht weiter als in die romantische Liebe. „Liebe ist stark wie
der Tod“, heißt es. Sie begegnet uns auch in Freundschaften, in Familien, zwischen Eltern und Kindern, Geschwistern, Menschen, die einander durchs Leben tragen. Diese Liebe ist oft leiser als die große Verliebtheit, aber nicht weniger mächtig. Sie hält aus, wenn Worte fehlen. Sie bleibt, wenn vieles sich verändert. Sie ist da, selbst wenn „viele Wasser“ über uns hinweggehen.
Der Vers spricht von einer Liebe, die nicht ausgelöscht werden kann. Einer Glut, die ihren Ursprung bei Gott hat – „eine Flamme des HERRN“. Jede menschliche Liebe ist Spiegel und Antwort auf Gottes Liebe zu uns. Gott selbst legt uns wie ein Siegel auf sein Herz. Unauflöslich. Unwiderruflich. Seine Liebe trägt durch Tod und Leben, durch Zweifel und Hoffnung.
Vielleicht ist der Valentinstag deshalb mehr als ein Fest für Paare. Er ist eine Einladung, unser Herz zu prüfen: Wem habe ich Raum gegeben? Wen trage ich in mir? Und wovon lasse ich mich versiegeln? Gottes Liebe ist kein flüchtiges Gefühl, sondern eine Zusage. Wer sich von ihr prägen lässt, kann lieben – den Partner, die Familie, die Freunde – mit einem Herzen, das in ihm gehalten ist. Ein versiegeltes Herz ist kein verschlossenes Herz. Es ist bewahrt von unserem großen und liebevollen Gott. Und genau darin liegt seine größte Freiheit.
Sabine Schlagmüller
Evangelische Pfarrerin im Sinngrund

