Der Aschermittwoch kann und will eine Einladung sein – an alle Menschen, die das Leben als Geschenk begreifen und denen es nicht egal ist, wie und was dazu beiträgt, dass es sich zum Guten oder weniger Guten verändert. Scheinen wir auch mitunter hilflos den Mächten und den Mächtigen dieser Welt ausgesetzt zu sein, so ist die tiefere Wahrheit eine andere und die Einladung der kommenden Wochen soll dieser inneren Kraft wieder zu mehr Raum und Wirkmacht verhelfen: in unserem Leben und in meiner und deiner Umwelt. Stephan Wahl dichtet:
„Als schönstes aller Geschenke hast du ihm Freiheit verliehen, die gefährliche Macht, sich entscheiden zu können - so oder so!“
Das Leben ist Geschenk und die Freiheit, die uns der Schöpfer dazugelegt hat, ist die Krönung für jeden Menschen, unabhängig von Alter, Geschlecht, Religion und Weltanschauung. Diese Freiheit nicht nur den Mächtigen ein Dorn im Auge; wir Menschen bewerten einander, schieben uns in Schubladen und bauen Mauern, die uns schützen und abgrenzen. Und ja: die Freiheit, die uns als wertvolle Gabe auszeichnen sollte, ist gefährdet und verletzlich. Umso mehr braucht es gerade jetzt das Nachdenken und Besinnen darauf, auf welchen Grundlagen sich unser Leben und unsere menschliche Gemeinschaft entwickeln soll. Und das ist nicht nur von den großen Entscheidungen in Politik und Wirtschaft, Klima und Umwelt abhängig. Freiheit braucht Entscheidungen – so oder so! Und im Alltag ist das durchaus herausfordernd. Hilft da nicht der Blick darauf, wer und was mich trägt? Er hilft, sich zu entschieden.
Eine Geschichte aus China erzählt von einem weisen Man, dem man eine Falle stellen wollte. Ein Mäuslein in der geschlossenen Hand, fragten sie ihn, ob es lebe oder tot sei. Seine Antwort kam schnell: „Ob das, was ihr in der Hand haltet, lebt oder tot ist, das liegt allein in eurer Hand.“ So oder so – ich darf und ich muss mich entscheiden. Was aber dient dem Leben und dem menschlichen Miteinander? Das ist es wert, immer wieder neu bedacht zu werden – im Kleinen wie im Großen.
Jesus bestärkt uns dabei mit seinem Wort: Ich will, dass sie das Leben haben und es n Fülle haben!“ (Joh 10,10) Jesu Zuspruch kann und will mich begleiten auf dem Weg zu mir selbst und auf der Suche zum guten Miteinander. Denn bei allem, was in der Welt passiert, braucht es die Kraft des Guten, die kraftvoll und wirkmächtig von jeder und jedem eingebracht werden kann.
Bei Stephan Wahl heißt es dann auch: „Kraftvoll und mächtig erstarkt die Würde des Menschen, wenn er die Würde des anderen respektvoll begrüßt!“
Klaus Becker
Vorsitzender St. Rochus Sozialstation, Lohr a. Main

