Hinweis

Ihre Browserversion wird leider nicht mehr unterstüzt. Dies kann dazu führen, dass Webseiten nicht mehr fehlerfrei dargestellt werden und stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Wir empfehlen Ihnen, Ihren Browser zu aktualisieren oder einen der folgenden Browser zu verwenden:

Pastoraler Raum Gemünden

Stadtansicht Lohr

Pastoraler Raum Lohr

Stadtansicht Karlstadt

Pastoraler Raum Karlstadt

Pastoraler Raum Marktheidenfeld

Wort zum Wochenende

Eigentlich

Vielleicht kennen Sie den Satz des Schriftstellers Ödön von Horváth: „Ich bin nämlich eigentlich ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu.“

Er kommt mir in diesen Sommertagen immer wieder in den Sinn. Ich darf mir Urlaub gönnen und die freie Zeit genießen: Sonne, Abschalten vom Stress, die Seele baumeln lassen. 

Eigentlich bin ich hier im Urlaub doch ganz ich selbst. Und ich frage mich, ist das das wahre und gute Leben? Ist Arbeit also nur lästiges Übel, wo ich mich vielleicht sogar verbiegen und anpassen muss? 

Allerdings kommt mir dann schnell der Gedanke, dass Arbeit ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens ist und ich meine Arbeit auch gerne tue. 365 Tage Urlaub im Jahr wären mir wohl zu viel und zu langweilig. 

Also was ist da eigentlich los? 
Manchmal ertappe ich mich dabei, zu denken: „Eigentlich sollte ich lernen, arbeiten, Sport treiben, meditieren, beten … und so weiter und so fort. Doch was tue ich stattdessen? 

Es gibt viele Lebenskonzepte und vermeintliche Verpflichtungen, die mir vorgegeben erscheinen. 
Dann fühle ich mich unfrei. Ich schäme mich zuweilen, dass ich meinem selbst gesteckten Ideal nicht gerecht werde und vielleicht „Zeit verplempere“. 

Ich meine die Falle im Wörtchen „eigentlich“ zu finden. Dieses Wort drückt nicht viel aus und führt mich auf eine falsche Fährte. Es lenkt von mir ab und macht die Umstände oder andere Menschen verantwortlich. Also will ich versuchen dieses Wort zu vermeiden. Nämlich indem ich mich frage: Und wie ist es uneigentlich, also tatsächlich? Was will ich wirklich? Was ist die Wahrheit, was ist meine Wahrheit? Wenn ich das erkannt habe, dann darf ich das auch so benennen. 

Das Eigentliche, also mein eigener Anteil, liegt in meiner bewussten Entscheidung. Sei es die Berufsentscheidung, die ich einmal getroffen habe oder auch die vielen kleinen Alltagsentscheidungen. 

Wenn ich Zeit für Computerspiele, Serien schauen oder shoppen gehen aufwende und ich mich bewusst dafür entscheide, dann finde ich auch diese Lebenszeit sinnvoll investiert. Denn es ist ja meine eigene Entscheidung, dies zu tun, anstelle von etwas anderem. 

Ich denke an ein Wort Jesu: „Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat“ (Mk 2, 27). 
Genau darin drückt sich für mich aus, dass Jesus uns Menschen befreien wollte: aus Konventionen, Ausreden, zu hoch gesteckten Ansprüchen an mich selbst.  

Angesichts meiner geschenkten Lebenszeit, darf ich mich immer wieder neu fragen worauf es ankommt und was wirklich zählt in meinem Leben. Ganz uneigentlich und ganz real im Hier und Jetzt. 

Katrin Fuchs
Pastoralreferentin im Pastoralen Raum Marktheidenfeld