Hinweis

Ihre Browserversion wird leider nicht mehr unterstüzt. Dies kann dazu führen, dass Webseiten nicht mehr fehlerfrei dargestellt werden und stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Wir empfehlen Ihnen, Ihren Browser zu aktualisieren oder einen der folgenden Browser zu verwenden:

Ein hörendes Herz

Wort zum Wochenende

Da sitze ich nun an meinem Schreibtisch, überlege und wälze mich und meine Gedanken - und der Bildschirm bleibt leer. Dabei gäbe es so viel zu sagen: zum Zustand unserer Kirche, unserer Gesellschaft, der Welt. Aber reden kann man viel und tun andere schon zur Genüge, jeder weiß vielleicht nicht immer alles besser, aber auf jeden Fall das, was der andere da grad wieder mal falsch gemacht hat - da braucht es nicht auch noch meine vermeintlich klugen Ratschläge zum Zustand der Nation. (Obwohl ich es natürlich wirklich besser wüsste … na ja, Sie wissen schon.)

Es wird schon zu viel geredet - und das meiste davon ist verzichtbar.

Vielleicht sollte ich mir also gar keine neuen Ideen wünschen. Sondern es so machen wie König Salomo. Kennen Sie die Geschichte? Wer sie selbst lesen möchte: Beenden Sie diesen Text, nehmen Sie Ihre Bibel zur Hand (1. Könige 3) - oder lesen Sie online unter bibleserver.de - und machen sich Ihre eigenen Gedanken. Die anderen lesen einfach hier im Text weiter: Salomo gilt als der Inbegriff von Weisheit - nach menschlichen und nach Herrschermaßstäben. Er ist also einer, von dem man seine eigenen Regierungen nur allzu gerne mal ein Scheibchen abschneiden lassen würde. Obwohl dieser ideale Landesvater auch noch ganz ohne lästigen Koalitionspartner auskommt, ist ihm jede Großmannsucht fremd und sein königliches Repertoire ganz ohne Eigennutz. Zumindest zu Beginn seiner Herrschaft. Dieser Salomo also hat des Nachts im Traum eine Gottesbegegnung. Gott spricht: „Bitte, was ich dir geben soll.“ Es wäre also alles drin: Reichtum, Ruhm, ein langes Leben - aber die Bibel ist kein Märchen und Salomo kein Traumtänzer. Er weiß sehr wohl, was sein Pferdefuß ist: er ist jung, ohne Regierungserfahrung und hat das Erbe einer übermächtigen Vaterfigur angetreten. Das, was er am meisten braucht, ist ein gehorsames Herz - auch bekannt als hörendes Herz.

Ein weiser Wunsch - und zur Belohnung erhält er den Rest (Reichtum, Ruhm, langes Leben) - noch obendrauf.

Ich finde, uns allen stünde ein solch hörendes Herz wohl an. Nicht so viel Reden. Nicht so viel Vorverurteilen. Einfach mal still sein. Zuhören. Nachdenken. Abwägen. Vielleicht sogar die Möglichkeit einräumen, dass auch andere mal recht haben könnten. Dann reden - und zwar miteinander. Nicht gegeneinander. Und dann gemeinsam das Beste entscheiden.

Das führt nicht immer zum Erfolg. Bei Salomo führt es zu Fronarbeit für seine Bevölkerung und immer steigenden Steuerlasten. Vielleicht korrumpiert Macht ja selbst die Weisesten.

Aber wenn immer wieder jeder einzelne von uns mit ganzem Herzen hinhört - dann haben alle eine Chance, zu Wort zu kommen. Sogar Gott. Das wäre Demokratie vom Feinsten. Und die Welt ein ruhigerer Ort.

Stephanie Wegner
Evanglische 
Pfarrerin, Kreuzwertheim