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Gegenwart Gottes im Alltag

Wort zum Wochenende

„Heiliger Antonius hilf!“ Dieses Stoßgebet empfahl mir eine Nachbarin, als ich neulich meinen Ehering verloren hatte. Überall hatte ich schon gesucht – im ganzen Haus und auf allen Wegen, die ich beim Gassi gehen mit dem Hund an diesem Tag schon zurückgelegt hatte. Ich hatte schon alles Menschenmögliche unternommen, um diesen Ring zu finden…also konnte ein Gebet auch nichts schaden… aber kann beten wirklich helfen? Ja – beten hilft. Nicht immer so, wie ich mir das erhoffe und oft nicht sofort – aber als Christen dürfen wir uns auf die Kraft des Gebets verlassen.

Wenn wir beten, wenden wir uns mit unserem Anliegen an Gott. Wir können mit Gott reden, wie mit einem Freund. Und wir können jederzeit damit anfangen. Beten stärkt uns. Es ordnet Gedanken, beruhigt und öffnet uns für neue Perspektiven.

Wer religiös sozialisiert ist lernt oft schon als Kind zuhause, im Kindergarten oder im Religionsunterricht, Grundregeln, wie ein Gebet formuliert werden kann und erlebt in Ritualen wie Gebete ganz selbstverständlich in den Tagesablauf eingebaut werden können. Mit einer solchen Gebetspraxis erhöhen sich die Chancen, dass wir auch als Erwachsene beten und daraus Zuversicht schöpfen können. Fürs Beten müssen wir aber keine besonderen Fähigkeiten oder Vorwissen haben, oder bestimmte Regeln befolgen. Es erfordert vielmehr eine gewisse Haltung und die Bereitschaft, sich Gott zu öffnen. Beten ist ein Weg der Zuversicht: Wir legen unsere Bitten vor Gott, lassen los, was wir nicht kontrollieren können, und gehen weiter im Vertrauen darauf, dass Gott sich kümmert.

Besonders das füreinander Beten verbindet und stärkt Menschen. Es schenkt Mut und neue Hoffnung – über Grenzen hinweg. Wir beten für Frieden und für Heilung. Und wir danken Gott für das Wunder des Lebens und der Vergebung. Die Kraft des Gebets liegt oft darin, dass es uns erinnert, dass wir nicht allein gehen, sondern getragen sind – von Gott und von der Gemeinschaft, die füreinander bittet.

Beten ist mehr als ein Warten auf eine Lösung. Es ist eine Praxis der Gegenwart Gottes im Alltag. Und so können wir zum Beispiel auch: … für einen sicheren Schulweg, für unsere Kinder; vor wichtigen Entscheidungen; …um Geduld beim Aufräumen oder … als Dank dafür, dass die Ampel schnell wieder auf grün umschaltet…beten. Ein Gebet kann ein Lied sein, ein kurzer Moment der Stille, ein Seufzer oder ein kurzes Gespräch mit Gott. Meinen Ring habe ich übrigens am nächsten Morgen wieder gefunden. Gott sei Dank!

Sabine Bullemer-George
Leiterin des evangelischen Schulreferats in den Dekanatsbezirken Lohr und Aschaffenburg