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Hüte dich

Wort zum Wochenende

Hüte dich nur und bewahre deine Seele gut, dass du nicht vergisst, was deine Augen gesehen haben, und dass es nicht aus deinem Herzen kommt dein ganzes Leben lang.

Dieser Bibelvers ist dem 27. Januar zugeordnet: dem Tag des Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Vor 81 Jahren wurde das Vernichtungslager Auschwitz befreit, in dem über eine Million Juden ermordet wurden. Insgesamt töteten die Nationalsozialisten mehr als sechs Millionen Juden und viele weitere Menschen.

Hüte dich nur und bewahre deine Seele gut? Klingt das nicht nach etwas Kostbarem, das nicht aus dem Herzen kommen darf das ganze Leben lang? Stimmt. Dieser Vers ist im 5. Buch Mose zu finden und wird dem Volk Israel, den Juden zugesprochen. Der Satz spricht in die menschliche Erfahrung hinein, dass auch Gutes schnell vergessen ist im Laufe des Alltags. Er richtet sich an ein Volk, das viel mit Gott erlebt hat: Befreiung aus Sklaverei, Bewahrung in der Wüste, Versorgung. Kann das erinnerte Gute dem Bösen etwas entgegensetzen? „Hüte dich. Bewahre deine Seele.“ Erinnern ist hier keine Nebensache, sondern eine bewusste Aufgabe nicht nur für den Verstand. Es geht um das Herz, um die Seele. Gott weiß: Wer vergisst, was erlebt wurde in der eigenen oder in früheren Generationen, der verliert Orientierung.

Gerade als Deutsche gedenke ich der Opfer des Nationalsozialismus. Ich will nicht vergessen, was die Augen meiner Eltern- oder Großelterngeneration gesehen haben. Der Bibelvers macht mir bewusst, dass meinem Gedenken etwas folgen muss, damit ich meine Seele bewahren kann: ich muss mit meiner Haltung, meinen Worten und Handlungen dazu beitragen, damit das Böse nicht Raum greifen kann. Ich will mich davor hüten wegzuschauen, wenn Menschen gedemütigt, ausgegrenzt und verfolgt werden. Ich will notfalls auch den Mut zum Handeln finden.

Gleichzeitig will ich mich auch davor hüten zu vergessen, was ich an Gutem gesehen habe: an Zivilcourage, an tätiger Nächstenliebe. Woher kommt dieser Mut, die Nächstenliebe? Ich weiß es nicht bei jedem Menschen. Mose erinnert jedenfalls an das, was das Volk Israel mit Gott erlebt hat. Ich vertraue auf Jesus, der an der Seite der Schwachen und Verfolgten steht. Von Herzen wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, dass Sie immer den Richtigen an Ihrer Seite spüren. Und ich wünsche uns, dass wir gemeinsam den Mut zum Hinschauen und Handeln erhalten.

Carolin Esgen
Prädikantin im Evang.-Luth. Dekanat Lohr