Es gibt so viele und vieles, worüber ich mich wundere:
Ich wundere mich darüber, wie viel über Klimaanpassungsmaßnahmen und wie wenig gleichzeitig über die Ursachen der Klimaveränderungen und unsere Verantwortung dafür gesprochen wird.
Ich wundere mich darüber, wie viel Geld für Verteidigungsfähigkeit in die Hand genommen wird und wie wenig über Maßnahmen für Frieden und Völkerverständigung nachgedacht wird.
Ich wundere mich darüber, wie worthülsenartig über Demokratie geredet wird und wie wenig sich die Einzelnen um ihre Demokratie kümmern; solange sie ihnen nützt, ist sie gut. Wenn sie anfängt nicht mehr nur Spaß zu machen, wird sie lästig.
Ich wundere mich über die auch bei uns in Mode gekommene Sprache der Superlative und des Eigenlobs, die vieles schönredet und so Probleme verniedlicht.
Ich wundere mich nicht erst seit Infantino’s letzter Idee darüber, wie sehr Sport zu einem Geschäft geworden ist.
Ich wundere mich über die Zeitgenossen, die, wenn sie ein klein wenig kürzertreten sollen, die Klage anstimmen, dass man ihnen ‚alles‘ nehmen und sie ihrer Freiheit berauben will.
Ich wundere mich auch darüber, dass kritisches Mitdenken in der Kirche, in einer Kirchengemeinde oft nicht gern gesehen, geschweige denn ernstgenommen wird. Mit dem wohlklingenden „Hab Mut: Steh auf!“ scheint es nicht weit her zu sein. …
Ja, es gibt so viele und so vieles, worüber ich mich wundere. Sie könnten diese Aufzählung mit ihren Erfahrungen vermutlich problemlos fortführen. Wenn es nur das gäbe, wäre unsere Welt wirklich zum Verzweifeln und zum Resignieren.
Aber: Ich wundere und freue mich über Menschen, die kritisch mitdenken und die Verantwortung wahrnehmen; die sich einmischen, Haltung zeigen und sich nicht nur neutral verhalten; die mutig dann nicht schweigen, wenn es wichtig ist, die Stimme zu erheben; die ehrlich sind und niemanden übers Ohr hauen wollen; die nicht nur mit wohlklingenden Worthülsen jonglieren, sondern etwas zu sagen haben. Ohne solche Menschen wäre die Welt ärmer! Solche Menschen leben ihren Glauben!
Es gibt für jeden von uns so viele Möglichkeiten, das Gesicht der Welt positiv mitzugestalten, im Kleinen wie im Großen. Deshalb wundere ich mich auch gerne über das Mutige, Ermutigende und Positive unter uns! Davon erlebe ich in meinem Umfeld schon sehr viel, aber vielleicht ist’s noch nicht genug. Vielleicht wollen Sie ja ‚Follower‘ werden? …
Reinhold Grimm
Pastoralreferent i.R,, Marktheidenfeld

