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Kleine Dinge bewirken oft Großes

Wort zum Wochenende

Liebe Leserin, lieber Leser,
wenn ich heute in unseren Garten schaue, dann bin ich sehr beeindruckt. Wochenlang war alles trocken und verdorrt, das Obst viel unreif von den Bäumen, die Blumen ließen die Köpfe hängen und vertrockneten. Und heute: Ein paar Tage mit Regen und alles wird wieder grün. Wie als würde die Natur ihre Ressourcen nur soweit zurückfahren, dass sie jederzeit wieder startklar ist.
Mich fasziniert das. Was eben noch leblos und erschöpft aussah, trägt plötzlich wieder Farbe. Im Boden, in den Wurzeln, in den Pflanzen war offenbar noch etwas da, das nur auf den richtigen Moment gewartet hat. Auf Wasser. Auf neue Kraft. Auf die Chance, wieder aufzuleben.
Vielleicht kennen wir solche trockenen Zeiten auch aus unserem eigenen Leben. Zeiten, in denen uns die Energie fehlt, in denen vieles schwerer fällt als sonst oder wir das Gefühl haben, einfach nur noch zu funktionieren. Manches, was uns normalerweise leicht von der Hand geht, kostet plötzlich viel Kraft. Und manchmal sehen wir selbst kaum noch, was in uns eigentlich noch steckt.
Der Garten erinnert mich daran: Nicht alles, was erschöpft aussieht, ist verloren. Manchmal braucht es keinen großen Neuanfang. Manchmal reichen schon kleine Dinge, damit neue Kraft wachsen kann: ein gutes Gespräch, ein freier Abend, ein Spaziergang, ein Mensch, der zuhört, oder einfach ein wenig Zeit.
Vielleicht dürfen wir uns solche Zeiten der Erholung auch selbst zugestehen. Nicht immer müssen wir funktionieren, leisten oder sofort wieder aufblühen. Auch die Natur zieht sich zurück, spart Kräfte und wartet auf bessere Bedingungen.
Und vielleicht können wir auch für andere so etwas wie ein kleiner Regenschauer sein: durch Aufmerksamkeit, Geduld, ein freundliches Wort oder eine helfende Hand. Oft braucht es gar nicht viel, damit etwas wieder leichter wird.
Wenn ich in diesen Tagen auf unseren Garten schaue, sehe ich deshalb mehr als nur frisches Grün. Ich sehe eine kleine Erinnerung daran, wie erstaunlich widerstandsfähig Leben sein kann.

Sebastian Volk 
Pastoralreferent in der Berufschule

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