Oft sprachen wir in diesem Jahr über das Wetter, klagten über die vielen Hitzetage und über den ausbleibenden Regen. Der sorgenvolle Blick auf die Wetter-App und die Vorhersagen wurde zur täglichen Routine. Man hörte von geknackten Hitzerekorden, was wie ein Wettbewerb wirkte, in dem wir Menschen die Verlierer sind. Ein erfahrener Landwirt sagte vor einigen Wochen die deutlichen Worte: „Die Natur braucht uns Menschen nicht, aber wir die Natur.“ Sie ist nicht unser Feind, sondern wir ein Teil von ihr und im Grunde wissen wir, was zu tun ist.
Am kommenden Sonntag feiern wir das Fest Erntedank. Dieses ur-menschliches Ritual finden wir in allen Kulturen. Seit Jahrtausenden bedanken sich Menschen bei Göttern, der Natur oder dem Kosmos für Ernte und Nahrung. Auch wir Christen stehen in dieser Tradition und wir schauen dankbar auf die Lebensmittel, die wir hier bei uns trotz des widrigen Wetters ernten konnten und die uns aus aller Welt zur Verfügung stehen und die Regale der Einkaufsmärkten so reichlich füllen.
Der 4. Oktober ist auch der Gedenktag des Hl. Franz von Assisi. Er lebte im 13. Jahrhundert und hat wenige Jahre vor seinem Tod, als er schon sehr krank war und kaum mehr etwas sehen konnte, den Sonnengesang gedichtet. Dort finden wir diesen Vers: „Gelobt seist du, mein Herr, für unsere Schwester Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt, mit bunten Blumen und Kräutern.“ Seine Worte sind auch heute ganz aktuell und zeugen von der Verbundenheit allen Lebens. Sie sind ein Plädoyer für eine globale Hinwendung zur Schöpfung und zu einem Umdenken aus Sorge um das gemeinsame Haus der Erde. Ich wünsche Ihnen einen frohen Erntedank.
Heinz Weigand
Pastoralreferent
Klinikseelsorger am Bezirkskrankenhaus in Lohr

