Im Vorbeigehen sehe ich immer wieder einen Mann, der zusammengekauert vor dem Eingang des Supermarktes auf eine Spende hofft. Die ausgestreckten Arme, die geöffneten Hände zeigen deutlich sein Anliegen. In mir spüre ich die Unsicherheit, ob ich der Bitte folgen soll oder ob einfach vorbei gehen, die Anfrage unbeachtet lasse und hoffentlich die Episode baldmöglichst vergesse.
Die Betrugsmaschen, die allenthalben in unserer Gesellschaft öffentlich werden, verändern nicht wenig auch das Verhalten in konkreten Begegnungen. Dabei weiß ich um die Nöte um mich herum, die bis in die nächste Nähe reichen und bei weitem nicht nur ferne Länder, benachteiligte Gruppen und das löchrige soziale Netz betreffen,
Die Bitte um Almosen mag vielleicht vorgeschoben sein und immer wieder auch ausgenutzt zu werden. Es bleibt dennoch die Aufforderung, dass wir menschlich nicht nur dazu aufgerufen sind, sondern durch aus allermeist auch in der Lage sind einander zu helfen und in den alltäglichen Nöten beizustehen. Und wenn dann der erbetene Euro nicht für Kaffee, sondern für ein Bier umgesetzt wird? Ich mache mir darüber keine Gedanken mehr! Was ich aus der Hand gegeben habe, überlasse ich auch der Verantwortung dessen, der es empfangen hat. „Die Rechte soll nicht wissen, was die Linke tut!“ Das ist ein wunderbarer Merksatz, den uns das Evangelium als Weisung mitgibt, wenn wir etwas in die ausgestreckte Hand legen. Ich denke, dass es mitunter gar nicht so schlecht ist, einfach dem momentanen Impuls nachzugeben ohne darüber nachzugrübeln, ob ich übervorteilt werde oder sogar einer Lüge aufsitze.
Die Offenheit, mit der Jesus immer wieder den Menschen seiner Zeit begegnet, kann und will auch mich infizieren mit dem Virus der Mitmenschlichkeit, die durchaus angebracht ist - an allen Ecken und in allen Augenblicken unseres Lebens.
So wünsche Ihnen in diesen Tagen viele gute und gelingende Begegnungen und den Mut immer wieder ein wenig MEHR zu wagen!
Klaus Becker, Vorsitzender St. Rochus Sozialstation, Lohr a. Main

