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Unser Land braucht mehr Gemeinsamkeit!

Wort zum Wochenende

Am vergangenen Samstag haben die Evangelischen unter uns den Reformationstag gefeiert, am Sonntag die Katholischen unter uns Allerheiligen. Es war schön zu sehen, wie in manchen Gemeinden diese Feiertage mit ökumenischen Gottesdiensten begangen wurden. Nach Jahrhunderten der zum Teil auch blutigen Feindschaft ist es heute bei uns möglich, in guter Ökumene die Stärken der jeweils anderen Konfessionen zu achten und, ja, sie auch zu feiern. Eine versöhnte Verschiedenheit sozusagen.

Über Grenzen hinweg das Gemeinsame zu betonen, anstatt das Trennende zu stärken. Dafür braucht es Menschen, die wissen, wer sie sind und was sie im Leben möchten. Menschen, die die innere Bereitschaft besitzen, Andere anders sein zu lassen. Menschen, die in der Lage sind, die Fremdheit Anderer nicht als Bedrohung zu erleben, sondern die Fremdheit Anderer erst einmal mit Neugier und innerer Anteilnahme wahrzunehmen und, im besten Fall, diese Fremdheit als Bereicherung des eigenen Lebens zu feiern.

Zu den Grundentscheidungen der Reformation gehört es, zwischen vorletzten und letzten Dingen zu unterscheiden. Fragen des Zusammenlebens bis hin zur Gestaltung der Gottesdienste gehörten für Luther eher zum Vorletzten. Hier hat er eine erstaunliche Toleranz gezeigt und, mehr noch, eine solche Toleranz auch selbst gelebt.

Wo wir anfangen, Vorletztes mit Letztem zu verwechseln, da geraten wir immer tiefer hinein in einen Kampf um unsere Identität. Und je wichtiger die äußere Gestalt wird, desto gewaltbereiter sind wir im Kampf um ihre Form.

Zu den letzten Dingen gehört nach Luther das Wissen um unsere Erlösung durch Christus allein aus Gnade. In dieser Einsicht sind sich die großen christlichen Kirchen heute einig. Und tatsächlich, wo ich mein Leben in Christus festmache und meine Identität von Gott gehalten und geschenkt weiß, da erwächst mir eine sehr große Freiheit in der Gestaltung des Täglichen. So kann dann Gemeinschaft über Trennendem hinweg entstehen und sich bewähren.

Mich freut es, dass es diese ökumenischen Zusammentreffen gibt. Das ist ein Geschenk unserer Kirchen an unsere Gesellschaft: Ich denke, unser Land braucht weniger Kampf um Identität. Es braucht vielmehr Neugier auf andere Traditionen und die innere Bereitschaft, mit und in anderen Traditionen Gemeinsames zu entdecken und zu feiern. Gerade auch im politischen Bereich.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und den Ihren von Herzen Gottes reichen Segen. Gott, der seine Sonne über uns allen aufgehen lässt, möge Sie und die Ihren in diesen beängstigenden Zeiten behüten und bewahren.

Heiner Spittler 
Evang. Pfarrer i.R.