Bei unserem letzten Koordinationstreffen für den pastoralen Raum Marktheidenfeld vor Weihnachten hat uns ein Mitglied zu Beginn eingeladen, uns Gedanken darüber zu machen, welche zwei oder vierbeinige Figur an der Krippe wir gerne wären bzw. wo wir uns wiederfinden. Sie hat sich die Figur des Esels an der Krippe ausgewählt, uns einige der Eigenschaften dieses Tieres beschrieben und es dann auf ihre eigene Persönlichkeit bezogen.
Daraufhin habe ich mir Gedanken gemacht, warum der Esel an der Krippe Jesus so nahestehen darf und welche Bedeutung er in der Bibel hat. Esel werden seit jeher von den Menschen als Nutztiere eingesetzt, so ist es uns auch biblisch überliefert. Sie halfen dabei, schwere Gegenstände und Lasten zu transportieren. Außerdem trugen sie auch die Menschen von einem Ort zum anderen, was heute unsere verschiedenen Transportmittel übernehmen. So reitet auch Maria auf dem Weg in die Stadt Nazareth auf einem Esel, um sich mit ihrem Mann Josef eintragen zu lassen. Sie trägt bereits als Schwangere Jesus unter ihrem Herzen.
Der Esel steht auch für Erkenntnis bzw. für das Kennen seines Herrn. So schreibt der Prophet Jesaja: „Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn“ (Jesaja 1,3). Durch diese Bibelstelle kamen vermutlich Ochs und Esel in die Darstellung der Weihnachtskrippe. Bereits dem blinden Propheten Bileam, der sich zum Unrecht verleiten ließ, werden von einem Esel, der den Engel Gottes sehen darf, die Augen geöffnet. Mit menschlicher Stimme spricht das Tier zu Bileam und verhindert sein wahnwitziges Vorhaben, das Volk Israel zu verfluchen. Stattdessen segnet er es schließlich.
Auf der späteren Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten ist ebenfalls der Esel als Transportmittel dabei und sammelt Fluchterfahrung. Beim Einzug Jesu in Jerusalem kurz vor seinem Leidensweg reitet Jesus auf einem Esel und nicht auf einem Pferd und zeigt damit seinen friedlichen und demütigen Charakter im Gegensatz zu Königen, die aus Kriegs- und Triumpfzwecken auf Pferden ritten. Dies hatte schon der Prophet Sacharja angekündigt: „Siehe dein König kommt zu dir, gerecht ist er, demütig ist er und reitet auf einem Esel.“ (Sacharja 9,9).
Damit möchte ich uns allen den Esel als Vorbild vor Augen stellen, denn er lehrt uns, die Liebe Gottes zu uns Menschen zu erkennen und sie weiterzugeben. Der Esel ist ein Beispiel für Geduld und Treue, der still und ohne Eitelkeit seinen Dienst tut und bereit ist, die Lasten des Lebens zu tragen. Vielleicht sollten wir öfter mal wie ein Esel sein, um Jesus wieder ganz nahe stehen zu können, nicht nur an Weihnachten.
Alexander Eckert
Pfarrer im Pastoralen Raum Marktheidenfeld

