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Wir gedenken ...

Wort zum Wochenende

Am zweitletzten Sonntag vor dem Advent wird in Deutschland der Volkstrauertag begangen. In vielen Ortschaften finden dazu Gedenkveranstaltungen statt. “Wir gedenken der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft”. Nach dem 1. Weltkrieg setzte sich der 1919 gegründete Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge dafür ein. Der Volkstrauertag sollte ein Zeichen der Solidarität sein: derjenigen, die keinen Verlust zu beklagen hatten, mit denen, die um Gefallene trauern. Am 5.3.1922 fand er zum ersten Mal statt - damals noch im Frühjahr, um den Aufbruch in eine neue und bessere Zeit zu spüren. Der Aufbruch währte nicht lange.

Von 1933 bis 1945 wurde dieser Tag für nationalistische Interessen missbraucht, aber nach dem Krieg bald wieder aufgenommen. Leider findet sich heute meist nur ein kleines Häuflein von Menschen ein, wenn die Bürgermeister zur Feier beim jeweiligen Mahnmal einladen. Aber das Gedenken an die Toten ist nicht überholt. Es ist leider ganz aktuell, wie der Krieg in der Ukraine zeigt.

Es berührt mich jedes Mal, wenn ich die Namen der Gefallenen aus unserem Ort höre. Meist waren es junge Männer, die nicht mehr zu ihren Eltern, zur jungen Ehefrau, zu den Kindern zurückkehrten. Unermessliches Leid. In jedem Krieg gibt es so viele Verlierer.

Und dann steigt Unbehagen, ja auch Angst und Zorn in mir auf: und wieder sprechen wir darüber, dass es schon bald wieder Krieg geben könnte - auch bei uns!

Hieß es nicht eben noch “nie wieder Krieg!”? Genügen die unendlich vielen Kreuze auf den Soldatenfriedhöfen nicht, um alle Kriegstreiber zur Einsicht zu bewegen?

Offenkundig nicht. Seit 1945 gab es noch nie so viele bewaffnete Konlikte wie derzeit. Und es sieht nicht danach aus, dass sich daran etwas ändert.

Ich setze mein Trotzdem entgegen. Frieden muss möglich sein. Ich höre das Wort Jesu aus der Bergpredigt: “Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.” Ich erwarte im Advent wieder das Friedenslicht aus der Geburtsgrotte in Betlehem, das von Pfadfindern in viele Länder gebracht wird. Viele nehmen es mit nach Hause und hoffen mit mir, dass der Friede stärker ist. Und ich bete zu Gott, dass er die Herzen der Menschen bekehre, dass Frieden und Gerechtigkeit wachsen - überall auf der Welt! So sagte auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beim Volkstrauertag 2024:

“Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.”

Hermann Becker
Pfarrer im Pastoralen Raum Marktheidenfeld