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Zogen einst fünf wilde Schwäne

In letzter Zeit fallen mir immer wieder junge Leute auf, die an Maschinen hantieren und mich mit lehmverschmierten Gesichtern anschauen. Es sind junge Männer und Frauen auf Werbeplakaten der Bundeswehr. Die Botschaft ist klar: Die Bundeswehr sucht Nachwuchs, um „kriegstüchtig“ zu sein, wie Verteidigungsminister Boris Pistorius es formulierte. 
Kriegstüchtigkeit und Aufrüstung scheinen die einzigen rettenden Antworten auf das momentane Dilemma zu sein. Das Dilemma, in das narzisstisch veranlagte und gewaltverliebte Präsidenten in Ost und West die Welt getrieben haben. 
Im Krieg Russlands gegen die Ukraine wechseln sich inzwischen gegenseitige Angriffe mit immer raffinierteren Drohnen und Raketen ab. Oft sind Zivilisten die Todesopfer, Kinder in ihren Schulen, Leute beim Einkaufen, alte Menschen in ihren Wohnhäusern, so die Berichte und Bilder der täglichen Nachrichten. 
Als ich in den Jahren 1982-83 Wehrpflichtiger bei der Bundeswehr war, war der Kalte Krieg zwischen den USA und der UdSSR auf dem Höhepunkt. Damals schienen die politischen Verhandlungen zwischen Ost und West am Ende. Als Antwort auf die sowjetische Aufrüstung mit atomaren Mittelstreckenraketen reagierte der Westen ebenfalls mit atomarer Aufrüstung. 
In der deutschen Bevölkerung hatte dies damals eine große Debatte und zahlreiche Friedensdemonstrationen zur Folge. In der damaligen DDR wurde das biblische Wort von „Schwertern zu Pflugscharen“ ein Leitmotiv der Friedensbewegung. 
Bei der Bundeswehr war damals diese angespannte Lage deutlich zu spüren. Selbst ich als einfacher Wehrpflichtiger merkte das. 
Das hinderte unseren Ausbildungszug jedoch nicht, bei der wöchentlichen Formalausbildung lauthals für den Frieden zu singen. Eines unsrer Marschlieder, auf das wir knapp 40 Mann das Marschieren übten, war nämlich das Lied „Zogen einst fünf wilde Schwäne“. 
Dieses Lied galt damals schon lange als Antikriegslied. Es war bereits Anfang des 20. Jahrhunderts sehr beliebt. Mit der Friedensbewegung ab den 1970er Jahren wurde es wieder populär: „Zogen einst fünf wilde Schwäne, Schwäne leuchtend weiß und schön. Sing, sing, was geschah? Keiner ward mehr gesehen. Ja! Keiner ward mehr gesehn.“
Das Lied beschreibt in vier Strophen die Realität des Kriegs, die Kriegsfolgen und die Verluste, die Natur und Menschen treffen. Das Lied klagt die Sinnlosigkeit des Krieges mit der Frage an: „Sing, sing, was geschah?“ 
Das wünsche ich mir auch heute: Junge Leute, die den Traum vom Frieden laut träumen, die sich auf kreative Weise für ein friedvolles Zusammenleben in Freiheit und Gerechtigkeit einsetzen, die auf ihre Weise „Schwerter zu Pflugscharen“ schmieden. 

Stefan Redelberger, Urspringen
Pfarrer im Pastoralen Raum Marktheidenfeld

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